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Diese Arbeit versucht, Licht auf die Situation ehemaliger Bürger der Sowjetunion in der estnischen Gesellschaft zu werfen, die bis heute keine Staatsbürgerschaft eines Staates beantragt haben. Die Leitfrage lautet: „Wie nehmen die Esten mit unbestimmter Staatsbürgerschaft ihren durch ihren Ausländerpass bestimmten zweideutigen Status im Vergleich zur offiziell vermittelten institutionellen Sichtweise wahr?' Die Untersuchung basiert insbesondere auf anthropologischen Feldforschungen, die im März 2015 in der estnischen Grenzstadt Narva durchgeführt wurden. Dabei kommen dem Autor seine früheren Praktika bei der OSZE und dem UNHCR zugute, die ihm helfen, deren Einflussbereich zu entschlüsseln. In den letzten Jahrzehnten hat Estland einen Wandel von sprach- und bildungsbasierten Integrationsplänen hin zu einem inklusiveren Vorgehen vollzogen, wie „Integrating Estonia 2020' deutlich zeigt. Es wird zunehmend anerkannt, dass technische Maßnahmen allein nicht zu einer kohäsiven Gesellschaft führen. Sozialer Zusammenhalt basiert auf einem Umfeld, in dem die Menschen Vertrauen zu ihren Mitbürgern aufgebaut haben und ihr Land als ihre Heimat empfinden, unabhängig davon, ob sie die Staatsbürgerschaft des Landes besitzen oder nicht.